Xenoglossie bei Kindern mit Erinnerungen an frühere Leben

Die von dem amerikanischen Psychiater Ian Stevenson (1918 – 2007) begründete Forschung zu Fällen von Kindern, die sich an vorangegangene Leben zu erinnern scheinen, den sogenannten Cases of Reincarnation Type (CORT), ist faszinierend. Sie wird auch nach Stevensons Tod an der von ihm gegründeten Division of Perceptual Studies (DOPS) an der University of Virginia weitergeführt. Das dort angelegte Archive enthält inzwischen mehr als 2.000 dokumentierte Fälle. Zu den bemerkenswertesten, aber auch sehr seltenen Fällen gehören diejenigen, in denen Kinder fremde Sprachen sprechen können, ohne sie erlernt zu haben. Man bezeichnet dieses Phänomen als Xenoglossie. Die Autor:innen der Studie des Monats, die an der DOPS arbeiten, stellen einen Vergleich von CORT-Fällen mit und ohne Xenoglossie an. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob sich die Xenoglossie-Fälle durch bestimmte Merkmale auszeichnen.

Journal of Anomalistics / Zeitschrift für Anomalistik : Ausgabe 1/2025 erschienen

Zeitschrift für Anomalistik Band 25 (2025) Nr. 2

Die zweite Ausgabe 2025 des Journal of Anomalistics / Zeitschrift für Anomalistik ist erschienen und digital als Open-Access verfügbar!

Mit Beiträgen von Gerhard Mayer, Benedikt Grimmler, Evelyn Elsaesser, Chris A. Roe, Callum E. Cooper, Sophie Morrison und David Lorimer, Karl Baier, Sybo Schouten u.v.a.

„Der aufklärerische Impuls zeigte sich bei Johann Caspar Lavater darin, dass er versuchte, mit einem empirisch-experimentellen Angang die paranormalen Phänomene besser zu verstehen und Echtes vom Falschen (Einbildung, Betrug) zu trennen. In seiner Offenheit und Neugier paranormalen Phänomenen gegenüber, die auch mit Skepsis und dem Wunsch nach wissenschaftlicher Untersuchung verknüpft war, kann man ihn durchaus als einen Vorläufer der Vertreter der heutigen Anomalistik verstehen.“

Aus dem Editorial von Gerhard Mayer

Klarbewusst, und niemand nimmt es wahr: Locked-in-Erfahrung im Koma-Zustand

Die Vorstellung ist schrecklich: Man befindet sich in seinem Körper, ist bei klarem Bewusstein und nimmt die Umgebung wahr, die Gespräche der anwesenden Personen und ihr Handeln, jedoch die Mitwelt ist nicht in der Lage, meinen klaren Bewusstseinszustand zu erkennen. Ein Empfinden, das vielleicht dem des lebendig Begrabenseins ähneln mag. Genau einen solchen dramatischen Fall stellen die Autoren dieser Studie des Monats, Michael Nahm und Kolleg:innen, vor. Die Situation allein, die einem Horrorfilm entstammen könnte, wäre allerdings noch kein Grund, das Geschehen in einen Zusammenhang mit der Anomalistik zu bringen. Interessant wird er in dieser Hinsicht zum einen durch das Auftreten von außerkörperlichen Erfahrungen (AKEs) und den damit verknüpften Wahrnehmungen, zum anderen durch die Implikationen, die er für unser Verständnis vom Zusammenhang zwischen Bewusstseinstätigkeit und neurophysiologischen Korrelaten hat.