Klarbewusst, und niemand nimmt es wahr: Locked-in-Erfahrung im Koma-Zustand

Die Vorstellung ist schrecklich: Man befindet sich in seinem Körper, ist bei klarem Bewusstein und nimmt die Umgebung wahr, die Gespräche der anwesenden Personen und ihr Handeln, jedoch die Mitwelt ist nicht in der Lage, meinen klaren Bewusstseinszustand zu erkennen. Ein Empfinden, das vielleicht dem des lebendig Begrabenseins ähneln mag. Genau einen solchen dramatischen Fall stellen die Autoren dieser Studie des Monats, Michael Nahm und Kolleg:innen, vor. Die Situation allein, die einem Horrorfilm entstammen könnte, wäre allerdings noch kein Grund, das Geschehen in einen Zusammenhang mit der Anomalistik zu bringen. Interessant wird er in dieser Hinsicht zum einen durch das Auftreten von außerkörperlichen Erfahrungen (AKEs) und den damit verknüpften Wahrnehmungen, zum anderen durch die Implikationen, die er für unser Verständnis vom Zusammenhang zwischen Bewusstseinstätigkeit und neurophysiologischen Korrelaten hat.

Anomalistik Podcast #43: Paranormale Forschung in Österreich

Prof. Peter Mulacz

Gast: Prof. Peter Mulacz

 

Telepathie, Non-Lokalität und Neuro-Kapitalismus

Der Autor dieser Studie des Monats kommt aus einem Bereich, in dem man üblicherweise nicht nach Literatur zu Themen der Anomalistik sucht, nämlich dem des Marketing Managements. Mark Tadajewski ist Professor für Marketing an der Universität York und Herausgeber des Journal of Marketing Management, der sich im Rahmen seiner Forschungstätigkeit einem Blick in die Wissenschaftsgeschichte und auch generell über den Tellerrand hinaus erlaubt. Die jüngsten Entwicklungen im technischen Bereich und hier vor allem die Brain-computer interfaces (BCI), die dem für die Parapsychologie zentralen Thema des Geist-Materie-Zusammenhangs (mind-matter) ganz neue Aspekte hinzufügen, haben wohl den Autor dazu gebracht, sich mit Telepathie und den historischen Auseinandersetzungen auf wissenschaftlicher und philosophischer Ebene zu beschäftigen. Man stößt dabei automatisch auf die Frage nach dem (multiplen) Selbst eines Menschen bzw. dessen Identität.

Journal of Anomalistics / Zeitschrift für Anomalistik : Ausgabe 1/2025 erschienen

Zeitschrift für Anomalistik Band 25 (2025) Nr. 1

Die erste Ausgabe 2025 des Journal of Anomalistics / Zeitschrift für Anomalistik ist erschienen und digital als Open-Access verfügbar!

Mit Beiträgen von Gerhard Mayer, Markus A. Maier und Moritz C. Dechamps, James Houran, Debra Lynne Katz, Jessica Williamson, Stanley A. Koren, Helané Wahbeh und Marjorie H. Woollacott, Noah Sproß und Andreas Anton u.v.a.

„Die Frage nach den epistemologischen Grenzen der menschlichen Möglichkeiten in allen Lebensaspekten und eben auch der wissenschaftlichen Erkenntnis muss immer wieder neu gestellt werden. Die Sichtweise der Parapsychologie als eine ‚Ultra-Soft Science‘ kann in dieser Hinsicht helfen, Begrenzungen zu verschieben und den Bereich des Erkennbaren zu erweitern.“

Aus dem Editorial von Gerhard Mayer