Die Bezeichnung “Placebo-Effekt” wurde bis in die 1990er Jahre hauptsächlich als eine Art Erklärungs-Placebo verwendet und der Effekt selbst vorwiegend als eine  Art „Dreckeffekt“, als aus wissenschaftlicher Sicht unangenehmer „Beifang“, abgetan, der letztlich vernachlässigbar war. Seither hat sich die Situation stark verändert. Ein wichtiger Meilenstein war dabei die Veröffentlichung des Aufsatzes „Deconstructing the placebo effect and finding the meaning response“ von Moermann & Jonas in den Annals of Internal Medicine im Jahr 2002. Die Autoren lenkten die Aufmerksamkeit auf die „Bedeutung“, die von Patienten einer Behandlung zugeschrieben wird, und damit auch auf den Zusammenhang von Psyche und Physis, von Geist und Materie.

Zeitschrift für Anomalistik Band 20 (2020) Nr. 1+2

Die zweite Ausgabe des Bands 2020 der Zeitschrift für Anomalistik ist erschienen.

Mit Beiträgen von
Hartmann Römer, Gerhard Mayer, Fotini Pallikari, Peter Mulacz, Zofia Weaver u.v.a 

Diese Ausgabe der Zeitschrift für Anomalistik kostet 12,00 €, ein Jahresabonnement kostet 32,– €. Mitglieder der Gesellschaft für Anomalistik erhalten die Zeitschrift im Rahmen ihrer Mitgliedschaft kostenlos. Bestellungen können über unser Bestellformular oder per email an info@anomalistik.de erfolgen.

Zum Inhalt der aktuellen ZfA-Ausgabe

Wenn die Identität und der Status einer Gruppe bzw. eines (Wissens-)Feldes nicht gesichert sind – vor allem in (gesellschaftlichen) Randbereichen – lassen sich oft starke Abgrenzungsbemühungen beobachten.  Eine solche „Grenzarbeit“ (boundary-work) wird dann als wichtig erachtet, da scharfe Konturen fehlen oder nicht als bekannt vorausgesetzt werden können. Sehr auffällig wird dies im Bereich esoterisch orientierter Gruppen, weil der Begriff „Esoterik“ oft negativ konnotiert ist, weswegen das „Wir sind aber anders“ und „Wir gehören nicht dazu“ eine wichtige Rolle spielt. Für die Anomalistik ist das Problem ebenso virulent. Als ein multidisziplinäres und sehr heterogenes Forschungsfeld ist es geradezu prädestiniert für solche Abgrenzungswünsche, denn zur inhaltlichen Vielfalt kommt noch eine unterschiedliche Distanz einzelner zu den Mainstream-Wissenschaften sowie ein unterschiedlicher Grad der Professionalisierung hinzu. Dass diese Auseinandersetzungen bis in die Anfangszeit des Wissenschaftsunternehmens „Parapsychologie“ zurückgehen, zeigt der Historiker Andreas Sommer in seinem Aufsatz „From Dessoir to Rhine“, der jüngst in dem von ihm herausgegebenen Themenheft „The Boundary-Work Issue“ von Mindfield erschienen ist.

Vor kurzem ist der prominente Skeptiker James Randi (1928-2020) gestorben. Als Bühnenmagier war er Teil der Unterhaltungsindustrie und er steht damit in einer Tradition, die Entertainment, Illusion und die Faszination am Wunderbaren und Übernatürlichen verbindet, auch wenn er als ideologischer Skeptiker eine unbeirrbar ablehnende Haltung gegenüber der Möglichkeit paranormaler Phänomene vertrat. In dem hier als Studie des Monats vorgestellten Artikel der Kulturwissenschaftlerin und Historikern Katherina Rein wird der Zusammenhang von Bühnenmagie, der Entwicklung technischer Kommunikationsmedien wie dem Telegraphen und dem Telefon, der „Second Sight“-Illusion, also der scheinbaren telepathischen Verbindung zwischen dem „Magier“ im Publikum und dem sensitiven Medium auf der Bühne, und der Kommunikation mit Verstorbenen in Form des Spiritismus untersucht.

Fast allen, die sich eingehender für paranormale Phänomene interessieren, ist der Name Nina Kulagina ein Begriff, oder er ist ihnen zumindest schon einmal zu Ohren gekommen. Denn Ninel Kulagina – so lautet der korrekte Vorname – ist eine der bekanntesten Psychokineten des 20. Jahrhunderts, die massive Phänomene relativ zuverlässig produzieren konnte – anscheinend mit Willenskraft. Dies zumindest während einer bestimmten Periode ihres Lebens. Das Faszinierende dabei ist, dass sie ausführlich in wissenschaftlichen Labors getestet worden ist und davon gute Dokumentationen existieren. Darunter sind auch einige sehr populär gewordene Filmaufnahmen. Schon früh „klärten“ prominente Skeptiker wie Martin Gardner auf, wie die produzierten Phänomene zustande gekommen seien, ohne es allerdings für nötig zu halten, Kulagina selbst zu untersuchen oder die Untersuchungsberichte der russischen Wissenschaftler ernst zu nehmen. Gardner fällte sein Urteil, indem er sich in New York mit einigen „Magiern“ zusammensetzte und sie gemeinsam die Filmausschnitte betrachteten („we were falling off the chairs laughing“).