Ein gängiger Vorwurf von Kritikern der experimentellen Befundlage der parapsychologischen Forschung besteht darin, dass man ihr nicht trauen könne. Der Wunsch nach einem positiven Nachweis von Psi führe zu verbreitetem Betrug in diesem Forschungsfeld. Nun ist Betrug inzwischen generell leider ein nicht zu verdrängendes Problem in der Wissenschaft geworden, wie der Wissenschaftsphilosoph und -historiker Henry Bauer in seinem Buch Science is not what you think (2017) zeigt, um nur ein Beispiel zu nennen. Die Frage ist, ob Betrug in der Parapsychologie tatsächlich eine solch hervorgehobene Rolle spielt, wie so oft angenommen und behauptet wird. Mit seinem Aufsatz „The Problem of Fraud in Parapsychology“, den ich mit dieser Studie des Monats vorstellen möchte, geht der britische Psychologieprofessor Chris Roe genau dieser Frage nach.

Erstaunlicherweise finden immer wieder einmal, wenn auch selten, Wissenschaftler den Mut, parapsychologische Experimenten an deutschen Universitäten durchzuführen – geschehen am Psychologischen Institut der Münchner Ludwig-Maximilian-Universität. Markus Maier und Moritz Dechamps wählten ein „klassisches“ Micro-PK-Experiment, bei der Versuchsteilnehmer den Output eines Zufallszahlengenerators (true RNG) beeinflussen sollten. Die Experimentatoren ergänzten die vor allem durch die Arbeit des PEAR-Laboratoriums (USA) bekannt gewordene Form des Experiments um ein neues Element, indem nämlich über die Gestaltung des Displays unbewusste Wünsche eines Teils der Versuchspersonen angesprochen wurden.

Veränderte Bewusstseinszustände – Außergewöhnliche Erfahrungen

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Die Geschichte der Anomalistik und der Parapsychologie im Besonderen ist auf das Engste mit außergewöhnlichen Erfahrungen verbunden, denn es geht in diesen Forschungsfeldern um Grenzfälle, Grenzgebiete und Grenzüberschreitungen: Grenzfälle dessen, was wir mit unseren allgemein akzeptierten naturwissenschaftlichen Modellen erklären können, Grenzgebiete dessen, was von der akademischen Wissenschaft als erforschenswert erachtet wird, und Grenzüberschreitungen dahingehend, dass der Rahmen alltäglichen Erlebens verlassen wird und wir es mit außergewöhnlichen Erfahrungen zu tun haben.

In der aktuellen Studie des Monats zeichnet der Historiker Andreas Sommer wesentliche Züge der Auseinandersetzung der modernen Wissenschaft mit dem Okkulten, Paranormalen, oder allgemeiner: mit anomalen Phänomenen nach. Es ist eine Geschichte, die zumeist verzerrt dargestellt wird. Sie wird von den Protagonisten oft aus Unkenntnis, Wunschdenken oder auch wider besseres Wissen aus wissenschaftspolitischen und weltanschaulichen Gründen propagiert und weitergetragen. Der Kern dieser falschen Vorstellungen besteht darin, dass die Aufklärung mit dem Siegeszug der Wissenschaft zu einer rein auf wissenschaftlich basierten Vernunftgründen beruhenden Abkehr von Geisterglauben und dem Ernstnehmen von anomalen Phänomenen geführt habe.

Zeitschrift für Anomalistik Band 18 (2018) Nr. 1+2

Die Ausgabe 1+2 des Bands 2018 der Zeitschrift für Anomalistik ist erschienen.

Mit Beiträgen von
Gerhard Mayer, Birgit Menzel, Meret Fehlmann, Uwe Schellinger, Johannes Heim, Sarah Pohl u.v.a.

„Die Aufsätze in dieser Ausgabe der Zeitschrift für Anomalistik kann man alle unter der Perspektive eines besonderen Zeitgeistbezugs betrachten. Drei von ihnen haben einen historischen Schwerpunkt, einer analysiert die gegenwärtige Situation unter einer speziellen Perspektive, und zwei weisen auf Aspekte hin, die auf (mögliche) zukünftige Entwicklungen hinweisen.“

Aus dem Editorial von Gerhard Mayer