Nachdem Nahtoderfahrungen (NTEs) lange Zeit unbeachtet von den Mainstreamwissenschaften blieben und ein typisches Forschungsthema der Grenzgebiete darstellten, hat sich seit einigen Jahren die Situation geändert. Vor allem Neurowissenschaftler versuchten sich in Erklärungen für diese oft äußerst beeindruckenden Erfahrungen, die starken Eindruck für die Betroffenen ausüben können und oft nachhaltige Auswirkungen auf die Lebensphasen danach haben. Erwartungsgemäß dominieren bei diesen Ansätzen reduktionistische Erklärungsmodelle, die NTEs bzw. einzelne Elemente der Phänomenologie auf Sauerstoffmangel im Gehirn, auf die Aktivierung bestimmter Hirnstrukturen, auf die Ausschüttung von Ketaminen, Endorphinen und anderen psychisch aktiven Substanzen zurückführen. Eine Forschergruppe um die belgische Neurowissenschaftlerin und NTE-Expertin Charlotte Martial hat Befunde aus solchen Ansätzen zusammengetragen und 2025 in einem Übersichtsartikel publiziert. Diese neurophysiologische Erklärung von Nahtoderfahrungen trägt als Namen das Akronym NEPTUNE (Neurophysiological Evolutionary Psychological Theory Understanding Near-Death Experience; Martial et al., 2025).