Mit der aktuellen Studie des Monats soll ein preisgekrönter Aufsatz vorgestellt werden. Bei dem Preis handelt es sich um den von den International Consciousness Research Laboratories und dem neugegründeten Journal of Nonlocality ausgeschriebenen Mind-Matter Mapping Price, der an die in Toronto interdisziplinär forschende Wissenschaftlerin Larissa-Emilia Cheran ging. Cheran entwickelte eine hochauflösende Sensortechnik, mit der anhand zweier elektronischer Parameter der Metabolismus von Neuronenkulturen gemessen werden kann. In dem kurzen Aufsatz wird die Methode beschrieben und ein Experiment vorgestellt, bei dem ein Geistheiler mittels mentaler Konzentration eine Einflussnahme auf den Metabolismus eines Netzwerks von Neuronen bewirken soll, der dann auch nachgewiesen werden konnte.

Nahtoderfahrungen stellen nach wie vor ein sehr beachtetes und stark diskutiertes Forschungsthema dar, das themenbedingt in vielerlei Hinsicht an Grenzen und Grenzbereiche rührt. Für manche sind solche Erfahrungen starke Hinweise auf ein "Jenseits", ein Weiterleben nach dem Tod; andere sehen darin ein rein halluzinatives Geschehen, produziert durch das Gehirn in einem situativ bedingten Ausnahmezustand. Eine Forschergruppe der belgischen Coma Science Group hat sich aus kognitionspsychologischer Perspektive einen bestimmten Aspekt solcher Erfahrungen zum Gegenstand einer Untersuchung gewählt. In einem Vergleich mit anderen mentalen Vorgängen konnten Charakteristika der Erinnerungen an Nahtod-Erfahrungen herausgearbeitet werden.

Der bekannte Ethnologe Ake Hultkrantz schrieb 1980 in einem Aufsatz zu dem Tabu der Anthropologen, über eigene außergewöhnliche Erfahrungen im Rahmen der Feldforschung in wissenschaftlichen Fachzeitschriften zu berichten. Er pointierte dies in seiner Überschrift: "(…) Was der Professor verschwieg". Inzwischen haben einige Forscher den Mut gefunden, über solche Dinge in einer Art und Weise zu berichten, die ihre eigene Bestürzung und Ergriffenheit nicht unterschlägt. Beispiele dafür findet man in dem von Young und Goulet herausgegebenen Sammelband "Being Changed" aus dem Jahr 1994. Mit der nun vorgestellten Studie des Monats kommt ein argentinischer Anthropologe zu Wort, der 1998 ungewöhnliche kugel- bzw. kreisförmigen Lichterscheinungen gemeinsam mit seinen Begleitern bei einem Ritt durch eine argentinische Hochebene erlebte.

In der neuen Studie des Monats wird ein Aufsatz der bemerkenswerten psychologischen Anthropologin Tanya Luhrmann vorgestellt, die sich darin mit dem Phänomen der Halluzinationen beschäftigt. Mit ihrem kulturvergleichenden Ansatz differenziert sie verschiedene Varianten von halluzinativen Erfahrungen, die keineswegs alle als belastend erfahren und als pathologisch betrachtet werden müssen. In ihren Feldstudien zu charismatischen religiösen Gruppen in den USA bekam sie ebenso erwünschte und bereichernde Halluzinationserfahrungen berichtet, wie dies aus dem Bereich indigener Spiritualität, etwa aus Formen des Schamanismus bekannt ist.

Die Frage, welchen Einfluss die Wissenschaft auf das Weltbild, die Glaubensvorstellungen und die Plausibilitätsannahmen einzelner Personen in den modernen, westlich orientierten Gesellschaften haben, wird besonders bei Gegenständen aus dem Bereich der Anomalistik virulent. Denn hier steht die alltagsweltliche und auch massenmedial transportierte Einstellung zu paranormalen Phänomenen oft derjenigen der "Wissenschaftsöffentlichkeit", d.h. also dem, was Vertreter der Wissenschaft zu diesen Themen popularisieren, deutlich entgegen. Genauer noch geht es bei dem Letztgenannten um das, was als populäres Bild von der Meinung oder Einschätzung "der Wissenschaft" vorherrschend ist. Zu diesem Verhältnis von populärer und wissenschaftlicher Meinung führten die Sozialpsychologen Ridolfo, Baxter und Lucas eine Untersuchung durch, die ich hier als Studie des Monats vorstellen will.