Sieht man ein Trance-Medium in einem spiritistischen Setting in Aktion, so fühlt man sich in mancherlei Hinsicht an das Verhalten von Menschen mit einer dissoziativen Persönlichkeitsstörung erinnert. Neben den äußerlichen Ähnlichkeiten der unkontrollierten Körperbewegungen gibt es weitere Parallelen zu diesem Krankheitsbild wie z.B. der Verlust der Erinnerung und des Identitätsempfindens. Dementsprechend wurde das Verhalten solcher Medien oft pathologisiert. In der historischen Schamanismusforschung etwa diagnostizierte man das seltsame Verhalten der Schamanen in Trance als "arktische Hysterie".

Die neue Studie des Monats ist dem Andenken an unser am 1. Januar dieses Jahres viel zu früh verstorbenes Mitglied Eckhard Etzold gewidmet. Ein zentrales Interesse seiner wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit anomalistischen Fragestellungen bezog sich auf die These eines möglichen Einflusses astronomischer Faktoren und geomagnetischer Aktivität auf den Ausgang von "Psi-Experimenten". Zur Untersuchung dieser These griff Etzold, der als lutherischer Pfarrer tätig war und sich die – nicht triviale – wissenschaftliche Methodik als Laie angeeignet hatte, auf schon vorhandene Datensätze von "Psi-Experimenten" zurück und analysierte sie unter der neuen Fragestellung.

Am 1.01.2011 ist unser langjähriges und hoch engagiertes Vorstandsmitglied Eckhard Etzold nach längerer Krankheit verstorben. Als Priester mit starkem Interesse an anomalistischen Themen war Etzold eine ausgesprochene Ausnahmeerscheinung und brachte eine in der Anomalistik ungewöhnliche theologische Perspektive in seine Arbeit mit ein. Sein von einem tiefen christlichen Glauben durchdrungenes Denken stieß nicht immer auf Zustimmung oder gar Verständnis anderer Mitglieder; allerdings dürfte kaum Zweifel darüber bestehen, dass die für Etzold so typische Fairness und Courage – zwei unerlässliche intellektuelle Grundtugenden – maßgeblich diesem Glauben entsprangen. Etzolds viel zu früher Tod hat eine empfindliche Lücke in unseren Reihen hinterlassen. Ein ausführlicher Nachruf wird in der kommenden Ausgabe der 'Zeitschrift für Anomalistik' erscheinen.

Im Namen des Vereinsführungsausschusses,

Andreas Sommer

Geschäftsführer GfA

Seit einigen Monaten sorgt ein bisher noch nicht veröffentlichter, aber zur Publikation in dem renommierten Journal of Personality and Social Psychology angenommener wissenschaftlicher Artikel für öffentliches Aufsehen und für einige Erregung in Wissenschaftskreisen. Dies nicht nur bei den interessierten Kollegen, sondern weit über die Grenzen der direkt betroffenen Fachdisziplinen hinaus. Es handelt sich um Daryl J. Bems Arbeit "Feeling the Future: Experimental Evidence for Anomalous Retroactive Influences on Cognition and Affect", die die Ergebnisse seiner Experimente zum Zusammenhang von zukünftigen, nicht vorhersagbaren Ereignissen auf zeitlich vorangehende (Re-)Aktionen zusammenfasst.

Preisausschreibung der GfA für einen wissenschaftlichen Aufsatz

Die Gesellschaft für Anomalistik schreibt ein Preisgeld von 1.000 Euro für einen bislang unveröffentlichten wissenschaftlichen Aufsatz zum Thema "Ende 2012 – Untergang, Neuanfang – oder ohne Belang? Deutungen und Bedeutung des Maya-Kalenders in unserer Gesellschaft" aus. Gemäß der multidisziplinären Ausrichtung der Gesellschaft für Anomalistik werden keine Vorgaben zur disziplinären Verortung des wissenschaftlichen Ansatzes gemacht, d.h. es kann sich um eine kulturwissenschaftliche, religionswissenschaftliche, historische, soziologische, psychologische oder auch futurologische Arbeit handeln. Entscheidend ist, dass die wissenschaftlichen Standards der jeweiligen Disziplin eingehalten werden. Der eingereichte Aufsatz kann in deutscher oder englischer Sprache verfasst sein.

Einsendeschluss ist der 30. Juni 2011.

Alle weiteren Details zur Teilnahme entnehmen Sie bitte dem Ausschreibungstext (PDF).