Gute Übersichtsartikel zu Forschungsfeldern oder -themen sind sehr verdienstvoll, und dies aus verschiedenen Gründen: Sie ersparen viel Recherchearbeit und bieten einen erheblich zuverlässigeren Einblick in den jeweiligen Forschungsstand, als dies eine KI-Recherche bieten würde. Durch die dafür notwendige Expertise wird einerseits die Fehleranfälligkeit minimiert, andererseits wird auch eine Bewertung der in den Überblick eingegangenen Studien möglich, und schließlich werden generelle Probleme (z.B. definitorischer oder methodischer Art) sichtbar, die für zukünftige Forschung berücksichtigt werden sollten. Die hier vorgestellte Studie des Monats von David J. Acunzo et al. leistet dies alles auf kluge Weise. In ihre Übersicht und kritische Evaluation gingen 129 Forschungsartikel aus über 70 Jahren ein, die nach neurophysiologischen Korrelaten von außersinnlicher Wahrnehmung (ASW) im Gehirn suchten. Da dies auf ganz unterschiedliche Art und Weise – allein schon in Abhängigkeit von der entwicklungsbedingten Verfügbarkeit von technischen Geräten im Laufe der Jahrzehnte – versucht wurde und die Studien in vielerlei Hinsicht äußerst heterogen waren, bestand eine der ersten Aufgaben in einer Kategorisierung. Diese Kategorisierung an sich ist schon sehr hilfreich. Leider kann der Übersichtsartikel nicht das bieten, was man von vorhandenen Metaanalysen aus dem Bereich der Parapsychologie kennt, nämlich zuverlässige Auskünfte über die generelle Befundlage zu geben.
Eine Metaanalyse zu den Ergebnissen der bisher vorliegenden Neuroimaging-Studien ist wegen der schon genannten Heterogenität und vor allem aufgrund der methodischen Mängel vieler Arbeiten nicht sinnvoll. Die meisten von ihnen muss man als explorativ verstehen, u.a. weil sie nicht die notwendige Stichprobengröße haben und es an unabhängigen Replikationen fehlt, um gesicherte Aussagen zu treffen. Die insgesamt oft widersprüchlichen Befunde bieten nur wenige klare Hinweise auf potenzielle neurologische Korrelate von „Psi im Gehirn“. Die Autoren geben zum Schluss 19 wertvolle Empfehlungen, die zukünftige Studien in diesem Forschungsfeld aussagekräftiger machen.
Der Aufsatz ist sehr lang, aber je nach persönlichem Interesse kann man einzelne Abschnitte überspringen, etwa zu den Auswahlkriterien der Studien. Bemerkenswert ist für mich, dass der Artikel von einem Mainstream-Journal akzeptiert wurde, obwohl er Begriffe wie Parapsychologie oder außersinnliche Wahrnehmung unverhüllt beim Namen nennt. Ob sich hier eine positive Entwicklung abzeichnet?
Acunzo, D.J., Denton, A.H., Weiler, M, & Kelly, E.F. (2026). Neuroimaging studies of extra-sensory perception: A systematic and critical review. NeuroImage, 333, 121937. https://doi.org/10.1016/j.neuroimage.2026.121937