Infraschall und dessen Wirkung auf das Gemüt

Es wird oft berichtet, dass Besucher von angeblichen Spukhäusern oder anderen solchen Orten unangenehme Gefühle bekommen. Dass man sich dies im Wissen um die besondere Natur des Ortes nur einbilden würde – ein klassischer Nocebo-Effekt also –, ist eine Erklärung, die zwar nicht falsch, aber auch nicht hinreichend ist, wie experimentell gezeigt werden konnte. Eine seit langem diskutierte Richtung konventioneller Erklärungsansätze sieht die Ursache solch unangenehmer Empfindungen in besonderen Umweltfaktoren, wobei Infraschall ein prominenter Kandidat ist. In der hier vorgestellten Studie des Monats hat eine kanadische Forschergruppe um Kale Scatterty die Wirkung von Infraschall auf die Stimmung und das Stresslevel der betroffenen Personen experimentell untersucht.

Das mixed-method Untersuchungsdesign ist interessant, weil es subjektive Befindlichkeitsmaße mit objektiven physiologischen Daten, nämlich dem Cortisol-Level im Speichel, kombiniert. Zudem wird die Erwartungshaltung kontrolliert. Verglichen wurden jeweils zwei Bedingungen: (1) beruhigende Musik kombiniert mit und ohne Infraschall sowie (2) beunruhigende Musik kombiniert mit und ohne Infraschall. Die Ergebnisse zeigen, dass sich Infraschall unabhängig von der Erwartungshaltung negativ auf die Stimmung auswirkt, wobei die Emotionen zwar aversiv sind, ein erhöhtes Angstlevel jedoch nicht nachgewiesen werden konnte. Das physiologische Stresslevel hingegen war unter der Infraschall-Bedingung erhöht. Die Art und Weise, wie die gehörte Musik wahrgenommen wurde, nämlich als wie traurig, erwies sich als bester Prädiktor für das Vorhandensein von Infraschall und für die Veränderung des Cortisolspiegels.

Einschränkend muss gesagt werden, dass die Stichprobe sehr klein war, weshalb es Replikationen bedarf, um gesicherte Aussagen treffen zu können.

Scatterty, K. R. R., VonStein, D., Prichard, L. B., Franczak, B. C., Hamilton, T. J. J., & Schmaltz, R. M. M. (2026). Infrasound exposure is linked to aversive responding, negative appraisal, and elevated salivary cortisol in humans. Frontiers in Behavioral Neuroscience, 20. https://doi.org/10.3389/fnbeh.2026.1729876