Embodied Minds – Bemerkenswerte Befunde zum Zusammenhang von Bewusstsein und dessen materielle Verankerung

Diese Studie des Monats beinhaltet eine umfangreiche Darstellung erstaunlicher Befunde, die die in den westlichen Wissenschaften dominierende, aber im besten Fall stark vereinfachende These eines direkten und quantitativen Zusammenhangs zwischen neuronalem Substrat, also dem Gehirn, und der Bewusstseinsfähigkeit bzw. -tätigkeit in Frage stellen. Obwohl es sich bei den genannten Beispielen um in geringer Anzahl auftretende Fälle oder gar Einzelfälle handelt, stellt deren bloßes Vorkommen eine solche Herausforderung an die gewohnten und oft mit Computermetaphorik verknüpften Vorstellungen des Bewusstseins dar, dass sie vorsichtshalber weitestgehend ignoriert blieben.

In der Anomalistik sind wir allerdings gerade an solchen Phänomenen interessiert, die außerhalb der Erklärungsmöglichkeiten konventioneller Realitätsmodelle zu liegen scheinen. Im Bereich der Biologie hat speziell Michael Nahm (Mitglied der GfA) viele solcher Anomalien zur Schnittstelle von Körper und Bewusstsein ausfindig gemacht und wissenschaftlich bearbeitet, so etwa das Phänomen der terminalen Luzidität oder das der Diskrepanzen zwischen extrem reduzierter Gehirnmasse und nicht oder kaum reduzierter kognitiver Fähigkeit, um nur zwei Beispiele zu nennen. Karina Kofman und Michael Levin, die beiden Autor:innen der Studie des Monats, haben einige weitere solcher Befunde zusammengetragen und die Darstellung klug gerahmt – man könnte fast sagen: inszeniert, in einer Weise, die das Risiko einer reflexhaften Abwehrreaktion reduzieren kann. Dazu vermeiden sie Überlegungen, die sich direkt auf die philosophischen Implikationen für die Interpretation des Geist-Körper-Zusammenhangs ergeben (Dualismus vs. Physikalismus oder Duale-Aspekte-Monismus), und lenken vielmehr den Blick auf die Herausforderungen und Chancen, die durch KI und erweiterte Realität (augmented reality) für die Menschen entstehen. Die Stellung des Menschen zu möglichen anderen, mit KI, Robotern und Cyborgs verknüpften Bewusstseinsformen erdordert eine Neubewertung möglicher Zusammenhänge von Bewusstsein und Materie, zu der die dargestellten Anomalien auffordern.   

Kofman, K., & Levin, M. (2025). Cases of Unconventional Information Flow Across the Mind-Body Interface. Mind and Matter, 23(1), 13-69. https://doi.org/10.53765/mm2025.13