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Gesellschaft für Anomalistik e.V.


Historische / kulturelle Fallstudien

Bradford, David T.
Neuropsychology of Swedenborg's Visions
In: Perceptual and Motor Skills 88, 377-383, 1999

Im Jahr 1744 wurde der 56jährige Wissenschaftler Emanuel Swedenborg plötzlich mit Erfahrungen konfrontiert, die sein Leben verändern sollten: er durchlebte dunkle Visionen, empfing Botschaften von "geistigen Wesenheiten" u.a.m.; die verbleibenden 28 Jahre seines Lebens sollte er sich mit spirituellen Eingaben aus der "geistigen Welt", der Entwicklung einer diesbezüglichen Weltanschauung und der Gründung einer esoterisch-gnostischen Kirche beschäftigen. Der Autor versucht anhand der in den Schriften Swedenborgs geschilderten Erfahrungen und Symptome eine neuropsychologische Diagnose vorzunehmen, indem er retrospektiv eine Störung bestimmter Hirnareale konstatiert. Er regt weitere derartige Fallstudien an und will dafür den Begriff "Neuropathographie" einführen.

 

Fischer-Kerli, David
Flucht nach vorne, Flucht zurück: Technikkritik und Neokonservatismus in "Star Wars"
In: Leviathan 27 (4), 556-570, 1999

Diskutiert werden implizite Gesellschaftsentwürfe, die in der "Star Wars"-Saga als positive Ideale enthalten sind. Im Ergebnis der soziologischen Analyse wird festgehalten, dass "Star Wars" ein anti-emanzipatorisches und anti-demokratisches Welt- und Menschenbild zugrunde liege.

 

Kohnert, Dirk
Zum Einfluss des Okkulten auf staatliche Legitimität und Demokratisierungshilfe in Afrika
In: Sociologus 47, 24-50, 1997

Geschildert und diskutiert wird das Phänomen, dass der Einfluss des Magie- und Hexenglaubens auf den politischen Entscheidungsprozess in Afrika seit der Kolonialzeit eher zu als abgenommen hat. Nicht nur traditionelle Herrscher, sondern auch moderne Eliten vieler afrikanischer Länder bedienen sich des Mittels, durch Demonstrationen auf dem Gebiet des Okkulten sich mehr Legitimität im Staat, der Regierung und in den Augen der Wähler zu verschaffen. Immer mehr Entwicklungshilfeexperten und Regierungsberater sehen sich gehalten, bei ihrer Tätigkeit okkulten Überzeugungssystemen zunehmend Beachtung zu schenken. Der Autor bezeichnet die letztere Entwicklung als ambivalent und gefährlich, da die offizielle Verankerung des Okkulten im Rechtssystem und in der Politik afrikanischer Staaten zu gravierenden Verletzungen grundlegender Menschenrechte führen könne.

 

Kranenborg, Reender
The Presentation of the Essenes in Western Esotericism
In: Journal of Contemporary Religion 13 (2), 245-256, 1998

Diskutiert wird die seit dem 18. Jahrhundert in vielen westlichen esoterischen Gruppen verbreitete Vorstellung, die historische jüdische Glaubensgemeinschaft der Essener, die 70 n. Chr. verschwand, sei eine esoterische Gruppierung ge-wesen, deren Wissen in neuzeitlichen Gruppen wie etwa den Rosenkreuzern fortgeführt werde. Der Autor analysiert die Entstehung und Entwicklung dieser Vorstellung in Kreisen der westlichen Esoterik und kontrastiert sie mit dem tatsächlichen heutigen Wissen über die historischen Essener. Als Fazit wird festgehalten, dass die Essener mit Sicherheit keine esoterische Gruppierung im westlichen Sinne waren und die in Esoterik-Kreisen verbreiteten Vorstellungen zu den Essenern als historisch unhaltbar gelten müssen.

 

Puhle, Annekatrin
Ghosts, Apparitions and Poltergeist Incidents in Germany between 1700 and 1900
In: Journal of the Society for Psychical Research 63 (857), 292-305, 1999

Mittels einer umfassenden Durchsicht historischer Originalliteratur wurden 50 Spukfälle zwischen 1700 und 1900 für den deutschen Sprachraum ermittelt, dokumentiert und hinsichtlich ihrer zeitgenössischen Besonderheiten analysiert. Im Unterschied zu heutigen Fällen gab es damals kaum weibliche Erscheinungen, und die Geschehnisse wurden vor dem Hintergrund eines anderen Überzeugungssystems interpretiert, das oft auf Kobolde Bezug nahm. Zudem traten auch zahlreiche gutartige Geister auf, im Gegensatz zu den rein destruktiven Auswirkungen heutiger "Poltergeister". Besonders ausführlich geschildert wird der Spukfall im Haus der Physikers Gerstmann, der sich 1713 ereignete.

 

Schellinger, Uwe
Faszinosum, Filou und Forschungsobjekt: Das erstaunliche Leben des Hellsehers Ludwig Kahn (1873-ca.1966)
In: Die Ortenau. Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Mittelbaden 82,429-468, 2002

Eine ausführliche Biographie des aus Offenburg stammenden und später in die USA ausgewanderten 'Hellsehers' Ludwig Kahn, verbunden mit einer Diskussion der damals heftigen öffentlichen Kontroversen um die 'Echtheit' der von ihm vorgeführten Phänomene.

 

Thiede, Werner
150 Jahre parapsychologische Forschung. Die Wissenschaft des Paranormalen und die Theologie
In: Materialdienst der EZW 65 (10), 289-303, 2002

In dem Aufsatz wird die These vertreten, dass der Theologe Edward White Benson (1829-1896), der 1850 in Cambridge eine Vorgänger-Gesellschaft der "Society for Psychical Research" unter dem Namen "Ghost Society" gründete und später Erzbischof von Canterbury wurde, als der eigentliche Gründervater des Forschungsunternehmens der Parapsychologie gelten müsse. Im weiteren Verlauf des Artikels wird das wechselseitige Verhältnis von Theologie und Parapsychologie bis in unsere heutige Zeit hinein historisch nachvollzogen. Eine geringfügig überarbeitete Fassung des Aufsatzes ist auch in Grenzgebiete der Wissenschaft, Vol. 52 (2003), S. 57 ff., erschienen.



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Letztes Update: 20.09.2003