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Gesellschaft fuer Anomalistik e.V.

Gesellschaft für Anomalistik — Aktuelle Nachrichten
Fotos nähren Hoffnungen: Beutelwolf doch nicht ausgestorben?
3.3.2005

Tasmanien sucht den letzten großen Raubbeutler

Der Beutelwolf (Thylacinus cynocephalus) gilt vielen Menschen als Symboltier für die Ignoranz der Menschen gegenüber ihrer Umwelt. 1930 wurde das letzte frei lebende Tier im nordwestlichen Tasmanien von Wilfried Batty, einem jungen Farmersohn, vorsorglich als vermeintlicher Hühnerdieb abgeschossen. Sechs Jahre darauf starb "Benjamin", das letzte bekannte Exemplar, im Zoo von Hobart, nur zwei Monate bevor der Schutz dieser Art gesetzlich verankert wurde. Viel zu spät erkannte man den unersetzlichen Verlust des größten Raubbeutlers der Neuzeit und erließ noch Jahrzehnte später Schutzgesetze. 1982 wurde der Beutelwolf von der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources (IUCN) offiziell als ausgestorben erklärt. Doch viele Menschen in Tasmanien, Australien und der ganzen Welt hoffen - gerade im Hinblick auf die Verantwortung der Menschen für das Aussterben - immer noch darauf, dass die Art noch existiert. Einer der Gründe für diese ungebrochene Hoffnung und die Popularität des Beutelwolfs sind immer wiederkehrende Berichte über seine Sichtung bis zum heutigen Tag.

Die jüngsten Sichtungsereignisse wurden in der Woche vom 21.2. bis 26.2.2005 bekannt. Ein deutscher Staatsangehöriger fotografierte in der Gegend um Lake St. Clair ein Tier, das nach Ansicht einiger Thylacinus-Experten die Hoffnungen auf das Überleben des Beutelwolfs erfüllen könnte. Die Fotos überließ er seinem in Tasmanien lebenden Bruder, der sie verschiedenen Institutionen und Personen vorlegte und damit Diskussionen und Spekulationen über den ganzen Erdball auslöste. Peter West, Marketing Manager der Tasmanian Museum and Art Gallery (TMAG), äußerte sich am 26.2.2005 gegenüber der Presse vernünftigerweise zurückhaltend. Die Fotos würden einen Beutelwolf zeigen, die Echtheit der Fotos könne durch das Museum jedoch nicht bestimmt werden, da diese von dem unbekannten Mann wieder mitgenommen und so einer näheren Analyse entzogen wurden. West konnte zu diesem Zeitpunkt nur sagen, dass man die Fotografien gesehen habe, dass man sie nicht besitze und deshalb keinen weiteren Kommentar abgeben könne ("Tiger Mystery". The Advertiser, 27.2.05).

Weitaus offener zeigten sich die beiden Thylacinus-Experten Bill Bleathman, Direktor der TMAG, und Nick Mooney vom Primary Industries Nature Conservation Branch (PINCB), nachdem sie die Fotografien am Freitag (offenbar auf einem Laptop) begutachten konnten. Unverkennbar würden diese einen Beutelwolf zeigen. Die klar zu erkennenden "Tiger-Streifen" seien ein deutlicher Hinweis, und das fotografierte Tier gleiche eindeutig eher einem Beutelwolf als irgend einem anderen Tier. Jedoch sei fraglich, ob die mit einer Digitalkamera aufgenommenen Bilder auch authentisch seien. Nach den Beschreibungen von Nick Mooney sind die (nicht veröffentlichten) Bilder leider qualitativ schlecht, unscharf und verwackelt, vermutlich weil der Fotograf aufgeregt war. Sie zeigen ein Tier, das zwanzig Meter vom Fotografen entfernt in den Busch verschwindet. Größtenteils ist es vom Gebüsch verdeckt bis auf Teile des Rückens mit den klar zu erkennenden Streifen. Jedoch sollen auf weiteren Aufnahmen auch noch Teile des Kopfes und des Schwanzes durch das Dickicht zu erkennen sein. Sein Kollege Bleathman bestätigt diese Beschreibung. Grundsätzlich sei man an derartigen Sichtungen sehr interessiert und gehe allen Sichtungen nach Möglichkeit nach. Deshalb habe man sich auch diese Fotos angesehen und sei zu der Einschätzung gekommen, dass ein endgültiges Urteil nicht möglich ist. "Ich sage nicht, dass es eine Fälschung ist", stellt Bleathman klar ("Tiger riddle grows". The Mercury, 28.1.05).

Da nach Mooneys Einschätzung dieser Fall einer der bisher überzeugendsten Belege für das Überleben des Beutelwolfs darstellt, hat die tasmanische Regierung den Besitzer der Fotos schriftlich gebeten, sein Schweigen zu brechen und weiteren Kontakt "zum Land, das die Tiger Heimat nannten" aufzunehmen, damit die Fotos analysiert werden können. Die Regierung und alle Tasmanier wollen Antworten, so Umweltminister Steve Kons ("Tiger photos sought by state", The Mercury, 1.3.05). Nick Mooney hatte zum letzten Mal am 28.2. mit dem Besitzer telefoniert, als dieser sich bei ihm verärgert über die große Medienaufmerksamkeit äußerte. Mooney könne jederzeit wieder mit ihm in Kontakt treten, aber man wolle ihn nicht weiter verärgern. Vermutlich überlege er gerade, die Fotos an den höchsten Bieter zu verkaufen.

In Ergänzung zu seinen Beschreibungen äußerte der Biologe, dass die Fotos denen ähneln würden, die in einem Buch des deutschen Zoologen und Beutelwolfexperten Prof. Dr. Hans F. Moeller von der Ruprecht-Karl-Universität Heidelberg abgebildet seien. Das Buch beziehungsweise die genauen Abbildungen möchte er jedoch nicht benennen, um frühzeitigen Diskussionen über einen Betrung oder Hoax vorzubeugen ("Pictures man as elusive as tiger". The Mercury, 2.3.05).

Seit 1937 wurden über viertausend Sichtungen in Tasmanien und (kurioserweise) in Australien gemeldet. Dr. Robert Paddle, Tierpsychologe an der Australian Catholic University Melbourne, Mitglied der Australian Rare Fauna Research Association und Autor von "The Last Tasmanian Tiger", erläutert, dass die meisten einfach zu widerlegen sind. Sichtungen von Beutelwölfen, die die Hauptstraßen von Sydney oder Melbourne überqueren, seien nicht ernst zu nehmen. Weitere Sichtungen gehen zurück auf Leute, die Spaß am Fälschen von Fotografien haben. Es sei aber wichtig, nicht alle Sichtungen zurückzuweisen, so Paddle. Er habe selbst mit fünf oder sechs Augenzeugen gesprochen, die von ihren Sichtungen absolut überzeugt sind und die Flora und Fauna von Tasmanien sehr genau kennen, sei es durch das Leben in dieser Umwelt oder wissenschaftlicher Erfahrung als Zoologe. Die Entdeckung von vermeintlich ausgestorbenen Tieren sei auch nach fünfzig Jahren nicht ausgeschlossen ("Genuine thylacine spotters earn their stripes". smh.com.au, 2.3.2005).

Alle sind sich jedoch darin einig, dass die Fotos einer Prüfung durch Fachleute für digitale Fotografien analysiert werden müssen, da die Möglichkeit einer Fälschung nicht ausgeschlossen ist und die kurzen Begutachtung durch die Biologen nicht weiterführen. Eine wissenschaftliche Authentifizierung ist nötig, um die Hoffnungen nicht zu enttäuschen.

Markus Hemmler, Stephan Matthiesen

Quellen:
Zusätzliche Informationen:

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Letzte Veränderungen: 18.06.2006