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Gesellschaft für Anomalistik e.V.
 


UFO-Phänomen-Forschung und Falluntersuchungen:
Seit über 50 Jahren gibt es eine bis heute andauernde Welle von Erzählungen, die zumindest teilweise unerklärlich scheinende Phänomene am Himmel zum Inhalt haben. Private Organisationen und Untersucher versuchen seitdem anhand der vorliegenden Aussagen, dem Phänomen »UFO« auf die Schliche zu kommen. Nicht zuletzt das unselige »fliegende Untertassen«-Klischee sowie die zweifelhafte Selbstdarstellung von Sektierern und »UFOlogen« verhindern ein seriöses Erscheinungsbild und es verwundert daher nicht, dass es seitens offizieller oder institutioneller Stellen kein weitergehendes Interesse an diesem Phänomen gibt und auch seitens der Medien das Phänomen selten ernsthaft behandelt wird. Die aus allen Alters- und Bevölkerungsschichten stammenden Untersucher führen ihre Forschungen in der Regel als Freizeitbeschäftigung durch, dennoch geben die meisten Untersucher vor, seriös und nach wissenschaftlichen Kriterien vorzugehen. Es werden auch Untersuchungen, Analysen und Statistiken zur Begründung eigener Hypothesen angeführt, jedoch ist nicht immer ersichtlich, wie die jeweiligen Untersuchungen durchgeführt wurden oder wie die jeweiligen Ergebnisse zustande gekommen und begründet sind. Im Dunkeln bleibt oftmals auch die Art und Weise der Datenerhebung bzw. Informationsgewinnung. Auch die daran anschließende Bewertung der Daten ist oft nicht ersichtlich und Aussagen oder Statistiken sind schwer nachvollziehbar oder nicht überprüfbar.

Hierin liegt auch das Kernproblem der Untersuchung des UFO-Phänomens, die nahezu ausschließlich als Laienforschung stattfindet. Jeder kann sich als »Forscher« oder »Experte« bezeichnen, ohne jeden Nachweis einer hierfür geeigneten Qualifizierung oder gar eines wissenschaftlichen Studiums. Daher überrascht es nicht, dass von »UFO-Forschern« präsentierte »Forschungs- ergebnisse« in Ermangelung der Anwendung wissenschaftlicher Regeln in der breiten Wissenschaft praktisch keine Beachtung finden, selbst wenn die erzielten Ergebnisse im Einzelfall korrekt sein mögen. Natürlich können sich auch wissenschaftliche Laien die Regeln methodischen Arbeitens aneigenen, ggf. über andere berufliche oder akademische Qualifizierungen, danach verfahren und fundierte Arbeiten erstellen. Entsprechende Arbeiten müssen aber einer besonders kritischen Rezeption standhalten. Zwar gibt es im anerkannten Wissenschaftsbetrieb Beispiele für eine funktionierende Laienforschung (bspw. Astronomie und Archäologie), allerdings haben diese ihre Wissen- schaftstauglichkeit durch konsequente Anwendung der gängigen methodologischen Regeln bewiesen. Umgekehrt kann natürlich auch ein Wissenschaftler unwissenschaftlich vorgehen, methodische Fehler machen und gegen entsprechende Standards verstoßen, wofür es ebenso Beispiele gibt. Allerdings kann dies durch regulative Elemente leichter erkannt werden. Der Bereich der UFO-Phänomen-Forschung ist dadurch belastet, dass es keine einheitlichen Standards und keinerlei Selbstkontrolle oder irgendwelche regulativen Elemente gibt.
Zur Problematik der Laienforschung siehe die sehr interessanten Texte von Hövelmann und Schetsche im Rahmen der Studie des Monats 6/2004.

Ein Streitpunkt in der UFO-Phänomen-Forschung ist die Frage, was denn der eigentliche Gegenstand der Untersuchung sei. Viele sehen die Aussage bzw. den/die Zeugen als den eigentlichen Untersuchungsgegenstand (subjekt- orientierte Untersuchung), der sich um die Rekonstruktion des beobachteten Geschehens und deren Bewertung bzw. dessen mögliche Identifizierung dreht. Diese Meinung vertritt auch der bekannte amerikanische UFO-Forscher Allen Hendry in seinem »UFO Handbook«. Andere Forscher sehen dies nur als Vorstufe und betrachten die Beschäftigung mit den mutmaßlich unidentifizierten Sichtungen aus (natur-) wissenschaftlicher bzw. technischer Sicht seitens befähigter Fachleute als die eigentliche UFO-Forschung an (objektorientierte Untersuchung). Darunter fällt auch die Bildung von verschiedenen Theorien. Ebenso umstritten ist die wahre Natur von Randgebieten und deren Relevanz für das eigentliche UFO-Phänomens, wie bspw. Begegnungen mit oder Entführungen durch »Aliens«, Tierverstümmelungen oder Kornkreise. Favorisieren Kritiker bei Begegnungen mit Aliens vorwiegend die psychosoziale Hypothese und verweisen auf die Unzulänglichkeiten der beliebten Informationsgewinnung mittels Hypnose, sehen andere hier durchaus Indizien für ein Eingreifen außerirdischer Intelligenzen.

Unabhängig von den jeweiligen Einstellungen, Meinungen oder vertretenen Hypothesen sollte ein methodisch gesichertes Vorgehen nach wissenschaftlichen Regeln Kern jeder seriösen Falluntersuchung und UFO-Phänomen-Forschung sein, denn nur eine methodisch solide Untersuchung kann wissenschaftlich verwertbare Daten liefern. Da UFO-Sichtungserfahrungen zur Gruppe der außergewöhnlichen menschlichen Erfahrungen bzw. Spontanereignisse gehören, unterliegen diese auch den bekannten Schwächen und Einschränkungen. Erschwerend kommt bei UFO-Sichtungserfahrungen hinzu, dass die beobachteten Phänomene sehr unterschiedlich auftreten können und es eine Vielzahl an möglichen Fehlinterpretationen herkömmlicher Objekte und Phänomene gibt, die jeweils in einer Untersuchung ausgeschlossen werden müssen.
Praktisch gar nicht thematisiert wird der mögliche Einfluss des an der Untersuchung und Beurteilung einer Sichtung beteiligten Untersuchers. Dabei ist in den meisten anderen Bereichen der Anomalistik, bspw. der Parapsychologie, der so genannte »Versuchsleiter-Effekt« eine mittlerweile anerkannte und berücksichtigte Größe. Ein analoger »Untersucher-Effekt« bei der Fall-Untersuchung, begründet durch die eigene Meinung des Untersuchers zum Phänomen und dem konkreten Fall, wird jedoch kaum behandelt. Gerade auch aus diesem Blickwinkel sollte jede Untersuchung gut dokumentiert und intersubjektiv überprüfbar sein.

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Hypothesen zum UFO-Phänomen:
So zahlreich wie die existierenden Gruppen, so zahlreich sind die jeweils vertretenen Meinungen und Hypothesen zu den UFOs i.e.S. Dabei gehen die meisten Gruppen von der Existenz eines, wie auch immer gearteten, anomalen Phänomens aus, zumal es unzweifelhaft ist, dass es immer wieder Menschen gibt, die Phänomene am Himmel sehen, welche sie sich persönlich nicht erklären können. In diesem Sinne ist die Existenz von UFOs ein völlig unstreitiges Faktum, zumal es auch ungeklärte Sichtungen, nach durchgeführten Untersuchungen, gibt. Die Ansichten über die Natur des Phänomens weichen jedoch stark voneinander ab, da das Phänomen sehr viele Facetten hat, sowohl eine (subjektbezogene) sozio-psychologische als auch eine (objektbezogene) naturwissenschaftliche. So gibt es kritische Untersucher, die lediglich von einem sozio-psychologischem Phänomen ausgehen. Zwar können auch diese Untersucher nicht alle Sichtungen erklären, sehen dies aber entweder als statistisches Rauschen oder gehen von einer prinzipiellen Unmöglichkeit aus, jedwede gemeldete Sichtung zuverlässig aufzuklären. Sei es aufgrund der Unzuverlässigkeit menschlicher Wahrnehmung und Erinnerung oder mangelnder Kenntnis aller möglichen Erscheinungsweisen herkömmlicher Phänomene. Andere Untersucher legen sich nicht fest und halten mehrere Hypothesen für möglich. Wieder Andere gehen von einer starken Indizienlage für exotische Hypothesen aus und betonen die physikalische Realität des Phänomens. Schließlich gibt es ufologische Strömungen, die von einer ständigen Präsenz und Einmischung außerirdischer Intelligenzen, gepaart mit Verschwörungstheorien bzgl. involvierter irdischer Regierungen ausgehen. Dies geht bis hin zu esoterisch/religiösen Einstellungen. 

Gängige Hypothesen zu UFOs i.e.S:

  • ET-Hypothese: Die Hypothese über den Besuch von Außerirdischen. Sicher die populärste und verbreiteste Hypothese, mit mehreren Ausprägungen und Schwerpunkten: Seien es "einfache" Besuche, Entführungen, medizinische oder Gen-Experimente. Auch Tierverstümmelungen und Kornkreise werden gelegentlich damit in Verbindung gebracht. Begründet wird diese Hypothese mit der physikalischen Realität des Phänomens und insbesondere anhand so genannter Strangeness-Faktoren, wie bspw. Wechselwirkungen mit der Umwelt, die herkömmliche Erklärungen ausschließen sollen. Varianten dieser Hypothese sind die (mehrdimen- sionale) Projektionstheorie und die Parallele-Universen-Theorie.
  • Zeitreise-Theorie: Die Hypothese über Besucher aus der (eigenen) Zukunft. Bekanntester Vertreter dieser Theorie ist der Autor Ernst Meckelburg.
  • Wesen aus dem Erdinnern: Eine Variante der Hohlweltheorie, alternativ auch ehemalige Bewohner von Atlantis.
  • Irdische Geheimwaffen: Zwei Varianten sind hier anzutreffen. Zum Einen, dass die Großmächte außerirdische Technologie für eigene Entwicklungen testen, zum anderen, dass dies Weiterentwicklungen ehemaliger reichsdeutscher Geheimwaffen ("Flugkreisel") seien.

Die oben genannten Hypothesen favorisieren eine wie auch immer geartete, fremde, intelligente Kontrolle der beobachteten Objekte. Daneben gibt es auch Hypothesen, die eine solche intelligente Kontrolle nicht unterstellen:

  • Unbekanntes Naturphänomen: Hierzu gibt es verschiedene Ausprägungen hinsichtlich eines noch unbekannten atmosphärischen oder physikalischen Phänomens. Auch Plasmaphänomene oder überdimensionale Effekte werden erwähnt.
  • Dämonische Kräfte: Vorwiegend in fundamental-religiös orientierten bzw. sehr gläubigen Kreisen oder Sekten jedweder Konfession finden sich entsprechende Äußerungen. Demnach seien die UFOs böse (dämonische) Kräfte um die Menschen zu verführen. Varianten finden sich im esoterischen Bereich.
  • Sozio-psychologische Ursache: Diese Hypothese geht davon aus, dass es aufgrund wahrnehmungspsychologischer und kognitiver Vorgänge immer ungeklärte Sichtungen bzw. Erzählungen über solche Sichtungen geben wird und sich nie alle gemeldeten Sichtungen aufklären lassen. Auch soll demnach ein Untersucher nie in der Lage sein, alle denkbaren Erscheinungsweisen herkömmlicher Phänomene, geschweige denn psychologische Ursachen zu erkennen und auszuschließen. Auch hohe Strangeness-Faktoren in einem Bericht unterliegen demnach der subjektiven Interpretation ("Schein-Strangenes"). Exotische Hypothesen seien deshalb nicht zwingend erforderlich.

Diese Aufzählung von Hypothesen ist sicher nicht vollständig, soll aber auch nur einen repräsentativen Abriss gängiger Hypothesen darstellen.

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Letztes Update: 08.06.2007